Gaskartuschen erklärt

Fast alle modernen Kompaktkocher nutzen Schraubkartuschen nach EN 417. Die zwei anderen Systeme - Ventil- und Stechkartuschen - passen auf ganz andere Kocher. Prüfen Sie also Ihr System, bevor Sie Gas kaufen.

Dampfender Topf auf einem kompakten Kartuschenkocher auf einem Felsen in der Dämmerung

Die drei Kartuschensysteme

Schraubkartuschen (EN 417) haben ein 7/16"-Gewindeventil oben und sind der faktische Weltstandard: MSR, Jetboil, Soto, Primus, Optimus und die Eigenmarken der Outdoor-Läden passen alle aufeinander. Ventilkartuschen (Campingaz-CV-Serie) werden ohne Gewinde aufgesteckt und verriegelt und dominieren die Campingplatz-Läden in Frankreich und Spanien. Stechkartuschen (der klassische C206-Typ) werden vom Kocher angestochen und lassen sich bis zum Leerwerden nicht mehr abnehmen — das älteste System, rund ums Mittelmeer noch billig zu haben.

Zum Kocher passend kaufen, Adapter meiden

Kaufen Sie einen Kocher für Schraubkartuschen, sofern nichts Besonderes dagegen spricht: Das Gas ist weltweit am leichtesten zu finden, und die Auswahl an Kompaktkochern ist mit Abstand am größten. Adapter zwischen den Systemen existieren und funktionieren meistens — aber jeder Adapter ist eine zusätzliche Verbindung, die lecken kann, und eine leckende Verbindung neben einer Flamme ist der falsche Ort zum Sparen. Wer einen Campingaz- oder Stechkartuschen-Kocher erbt, plant den Gaskauf einfach um dessen Heimatregion herum.

Gasgemische und Kälte

Kartuschengas ist eine Mischung aus Butan, Isobutan und Propan. Reines Butan hört um 0 °C auf zu verdampfen — die Kartusche ist voll, aber der Kocher verhungert. Isobutan arbeitet bis etwa −10 °C, Propan noch tiefer. Kaufen Sie für Touren in der Übergangszeit also „Wintermischung“ bzw. „Four Season“ (hoher Isobutan-/Propananteil), nehmen Sie die Kartusche nachts mit ins Zelt oder wärmen Sie sie vor dem Frühstück in der Jacke an. Zum Ende hin lässt jede Kartusche nach, egal was auf dem Etikett steht.

Wie viel Gas Sie brauchen

Kartuschen gibt es mit rund 100 g, 230 g und 450 g Gasinhalt. Als Planungsregel: Einen halben Liter Wasser zu kochen kostet einen Kompaktkocher bei ruhiger Luft etwa 7–10 g Gas — eine 100-g-Kartusche sind also 10–14 Kochvorgänge: ein Wochenende für eine Person, wenn Sie nur Wasser kochen. Wind, Kälte, Köcheln und Schneeschmelzen vervielfachen den Verbrauch schnell. Wiegen Sie angebrochene Kartuschen und schreiben Sie das Leergewicht (steht bei den meisten Marken auf dem Boden) mit einem Stift darauf.

Fliegen und Entsorgung

Gaskartuschen sind im Flugzeug komplett verboten — voll wie „leer“, Kabine wie Frachtraum. Planen Sie den Kauf am Zielort ein, und lesen Sie vor dem Packen unseren Ratgeber Campingausrüstung im Flugzeug. Zu Hause gilt: Kartusche restlos leer brennen, dann nach den örtlichen Regeln entsorgen — vielerorts zählen vollständig entleerte Kartuschen zum Altmetall bzw. in den Wertstoffkreislauf, andernorts gehören sie zum Schadstoffmobil.

Der passende Topf dazu

Eine 100-g-Kartusche nistet mitsamt kleinem Kocher in den meisten 750-ml-Töpfen — das klassische kompakte Kochset. Den Materialvergleich finden Sie im Ratgeber Titan oder Aluminium, komplette Sets unter kompaktes Kochgeschirr.