Schlafsack-Temperaturangaben erklärt

Die große Zahl auf dem Schlafsack ist meist der Limit-Wert — nicht die Temperatur, bei der Sie angenehm schlafen. Kaufen Sie nach dem Komfort-Wert, und Sie werden selten frieren.

Schlafsack auf einer Bergwiese in der Abenddämmerung, im Hintergrund Hügel

Die drei Werte auf dem Etikett

Schlafsäcke, die nach ISO 23537 (dem Nachfolger der EN 13537) getestet sind, tragen drei Temperaturen. Komfort ist der Wert, bei dem eine kälteempfindlichere Norm-Schläferin entspannt auf dem Rücken liegend angenehm schläft. Limit ist der Wert, bei dem ein wärmer schlafender Norm-Schläfer zusammengerollt gerade noch schläft, ohne vor Kälte aufzuwachen. Extrem ist ein Überlebenswert — sechs Stunden ohne Tod durch Unterkühlung, nicht ohne Erfrierungen oder Elend. Planen Sie niemals eine Tour um den Extrem-Wert herum.

Nach welchem Wert Sie kaufen sollten

Wer kälteempfindlich schläft, schlank ist, eine Frau ist oder schlicht seine Nächte genießen möchte: nach Komfort kaufen. Wer nachweislich sehr warm schläft, kann nach Limit kaufen und etwas Geld und Gewicht sparen. Das Marketing liebt den Limit-Wert, weil er 4–6 °C schmeichelhafter aussieht — ein „0-°C-Schlafsack“ ist deshalb sehr oft ein Sack, dessen Komfort-Wert bei etwa +5 °C liegt. Suchen Sie in den technischen Daten immer die eigentliche Komfort-Zeile.

Was der Labortest voraussetzt

Im ISO-Test liegt eine beheizte Messpuppe mit Unterwäsche und Mütze auf einer gut isolierten Matte. Die Angabe setzt also voraus, dass Sie in trockener Wäsche schlafen und — entscheidend — dass der R-Wert Ihrer Isomatte zur Temperatur passt. Eine kalte Matte hebelt die Angabe des Schlafsacks komplett aus: Das System ist nur so warm wie seine schwächste Schicht.

Echte Nächte sind kälter als Labornächte

Luftfeuchtigkeit, Wind am Zelt, ein erschöpfter oder unterzuckerter Körper und feuchte Daune drücken Ihre gefühlte Grenze nach unten. Eine vernünftige Planungsregel: Nehmen Sie den Komfort-Wert und rechnen Sie 5 °C Reserve auf die kälteste erwartete Nacht. Einen zu warmen Schlafsack öffnet man leicht — einen zu kalten zittert man nicht warm.

Quilts und Säcke ohne Norm-Angabe

Viele Quilts und Säcke kleiner Hersteller sind vom Hersteller selbst eingestuft statt nach ISO getestet. Gute Hersteller nennen ehrliche, komfortnahe Werte; billige No-Name-Säcke übertreiben regelmäßig um 10 °C und mehr. Wenn ein Schnäppchen „−10 °C“ verspricht, bei einem Preis und Gewicht, das zu schön wirkt: Die Zahl ist Fantasie.

Daune muss trocken bleiben

Ob eine Angabe die Tourwoche übersteht, hängt auch von der Füllung ab: Daune verliert Nacht für Nacht Bauschung, wenn sie Körperfeuchte aufnimmt — Kunstfaser ist da deutlich gelassener. Den Vergleich finden Sie in unserem Ratgeber Daune oder Kunstfaser.